NaNoWriMo, Werkstatt

NaNoWriMo 2011: Drink up, me hearties!

Was soll ich nur sagen … Mittlerweile haben wir den 14ten Dezember und ich bin immer noch sprachlos. Ob negativ oder positiv, kann ich gar nicht sagen.

Wie in den letzten Jahren auch, war ich ein gutes halbes Jahr vor dem NaNo schon völlig neben der Spur und ganz aufgekratzt. Als der NaNo näher rückte, wurde mir immer mulmiger, ich wurde panischer, fürchtete den November zwar nicht, wollte ihn aber aus dem Kalender radieren.
Und dann war er da.

Im Gegensatz zu den vorigen Jahren, begann ich nicht um Mitternacht zu schreiben. Schrieb auch nicht sofort nach dem Aufstehen, nein. Ich ließ mir Zeit, begann irgendwann am späten Nachmittag und tippte meine Worte. Alles ganz unspektakulär. Vielleicht lag es daran, dass mich das Projekt mehr als ein Jahr begleitet hatte und ich den Anfang gut kannte, zu gut vielleicht, schließlich schrieb ich ihn zum zweiten Mal. Zum ersten Mal in meinem Leben hingegen gab ich einem Projekt, das völlig gegen die Wand ging, eine zweite Chance. Ich hatte ein ganzes Jahr über daran herum geplottet und schipperte die Route nun erneut, nur mit einer besseren Karte und zusätzlichen Augengläsern zum Lesen …
Erstaunlicherweise überraschten mich meine Charaktere aber dennoch. Sie lösten Plotprobleme im Vorbeigehen und taten Dinge, die absoluter Wahnsinn waren. Eine Flucht bei Sonnenaufgang über eine fast 45° Wand, die mit scharfkantigen Eisenpfählen gespickt ist? Spaziergang!
Der früh eingeführte Nebencharakter, der gegen Ende der Geschichte meinen Protagonisten zur Flucht verhelfen sollte, und nur dafür geschaffen war, entwickelte sich von einer Hülle zu einem lebendigen Wesen. Gut, möchte man meinen, aber ich hoffe, er erhebt nicht noch Anspruch auf eine Protagonistenrolle und eine eigene Perspektive … Auch wenn er es bereits einzufädeln scheint, denn von den 50k Worten, hielt er meine eigentlichen Protas über die Hälfte fest. Nur blöd, dass ich noch zwei Drittel der Geschichte vor mir habe.

Lasst euch aber nicht täuschen. Während ich auf die 50k zusteuerte war die See sehr unzuverlässig. Kurz nach Anfang, kam ich zu einer Szene, die ich partout nicht schreiben wollte, steuerte in eine windstille Ecke und blieb dort eine ganze Woche. Bis ich mir wieder ein Herz nahm, Segel setzte und die unliebsame Szene mit 500 Worten abservierte und mich wieder meinen geliebten Protagonisten zuwandte. Allerdings war der Abstand groß geworden und ich hatte Mühe, aufzuholen. Zwar steigerte ich mich von Tag zu Tag, aber dennoch fiel ich weiter zurück. Ich entschied mich zu einem Kraftakt. Am 29ten wollte ich nicht eher zu Bett gehen bis ich die Ziellinie überschritten hätte. Früh um sieben am 30ten fiel ich dann geistig tot nach fast 10k am Stück um. Die Glückwunschseite das NaNo’s war nur eine Randnotiz, auch wenn ich mich entsinne, etwas ratlos davor gessen zu haben. Ich muss wohl genauso geguckt haben wie Guybrush Threepwood nachdem er den Schatz auf Mêlée Island ausgrub. Auf alle Fälle teilte ich den Blick nach ausgiebigem Schlaf.

So ist das also, wenn man gewonnen hat. Alles, was ich bekomme, ist ein Zertifikat zum selbst ausdrucken. Nicht, dass ich das nicht schon zuvor wusste. NaNoWriMo ist ein Kampf gegen das eigene Selbst und mehr als der Gewinn an sich, sich selbst überlistet zu haben, kriegt man nicht.
Es war doch etwas ernüchternd. Und ich hasste meine Charaktere schon während der letzten 4 bis 3k. Mittlerweile hat sich der Hass gelegt und sie murren bereits wieder in meinem Hinterkopf und langsam kommt die Lust zurück, weiter zu schreiben. Aber das Gefühl, wieder geistig auf der Höhe zu sein, habe ich immer noch nicht. Mal davon abgesehen, dass ich bis Silvester noch 10 Bücher lesen muss …

Also lese ich im Moment. Freue mich dann doch etwas, dass ausgiebiges Plotten mir verknotete Hirnwindungen und viele Spontanflauten bis hin zu tückischen Riffen und Felsen ersparte. Freunde mich mit dem Gedanken an, einiges an geschriebenen Worten wieder zu kicken. Und glotze weiterhin ratlos das Zertifikat auf dem Bildschirm an. Ist schon ein schönes Motiv, muss ich sagen.

Für 2012 habe ich mir vorgenommen, mit einer ebenso gut geplotteten Geschichte ins Rennen zu gehen. Hoffentlich dann komplett ohne Flauten. Denn ganz nach Jack: „Did ev’ryone see that? Because I will not be doing it again!“ Also zumindest einen 10k-Worte-Lauf. Mit den 50k werden wir noch sehen.

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3 Comments to “NaNoWriMo 2011: Drink up, me hearties!”

  1. Aloha!
    Und wo kann man das geistbrechende Machwerk bestaunen?

    10k am Tag, jaja… Das hinterlässt durchaus ein flaues Gefühl im Bauch. Für ’ne Weile. In etwa wie überraschend eine Mio zu gewinnen und es nicht wahrhaben wollen. Nicht, dass ich je das Vergnügen gehabt hätte… ;)

  2. Jo Author

    Hallo, Ava.

    Nirgendwo gibt es das Machwerk zu bestaunen, weil es noch nicht fertig ist. ;) Aber ich arbeite daran, sporadisch. Der NaNo hat auch dazu geführt, dass ich eine Überdosis abgekriegt habe. Andererseits hat es dazu geführt, dass ich mir nochmals den Plot vorgenommen habe und ihn immer noch bearbeite, weil mir hier und da weiterhin Lichter aufgehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es bis Ende des Jahres dann auch mal fertig geschrieben habe.

  3. So so. Na gut, es klang halt, als ob man es schon vollendet bestaunen könnte. Hätte mich doch allzu sehr interessiert, was man sich in 30 Tagen aus dem Grips melken kann. Wenn man selbst schreibt, weiß man ja ungefähr, was das für ein Kraftakt sein kann. Dazu in einem Monat….
    Dann wünsch‘ ich mal gute Besserung von der Überdosis, und wenn das Teil public ist, dann würde ich schon gern mal ein Auge drauf werfen. Zu Weihnachten. ^^

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