Werkstatt

Das Leben ist grausam.

Ich brauche nicht viel erklären. Ein Fingerzeig nach rechts auf mein NaNo-Widget ist genug.

2.277 Worte. 2.277.

Ich fasse es nicht …

Es ist seltsam. Schon im August/September dieses Jahres freute ich mich wie eine Bekloppte auf den NaNoWriMo; zerbrach mir den Kopf über eine passende Geschichte, gestaltete Bucheinbände aus Launen heraus, einfach nur, weil mir schöne Titel einfielen. Ich aktualisierte mein NaNo-Begleitbuch für dieses Jahr, las No Plot? No Problem! von Chris Baty.
Währendessen vergingen die Tage.

Und dann: Prüfungen kamen, Stress kam, Druck kam – und Selbstzweifel kamen. Zweifel an dem, was ich tue, was ich will und was meine Zukunft sein soll.
Will ich das Studium oder den Erfolg? Will ich die Wissenschaft oder will ich die Kunst? Brauche ich den Doktor, den Master, den Bachelor, um glücklich zu sein? Was will ich und was will ich mit meinem Leben anfangen? Lange denke ich über diese Fragen nach und die Antworten tauchen langsam auf. Die Wahrheit schmerzt.
Ich bin bisher einfach gegangen, folgte einem Weg ohne ihn zu hinterfragen – und jetzt muss ich rasten, weil ich mir selber fremd gewurden bin. Es nicht mein Weg, dem ich bisher folgte – sondern es ist der anderer.
Aber woran soll man schon gerade der Pubertät entkommen erkennen, welcher der richtige Weg für einen ist, wenn man selbst nichts ist, wenn man sich nicht kennt; damals mit sechzehn, mit neunzehn Jahren?
Ich musste diesen fremden Weg gehen, weil ich mir eine fremde Karte geben lassen musste. Ich hatte weder nach dem erweitertem Realschulabschluss, noch nach dem Abitur eine Vorstellung von Leben und von dem Leben.
Klingt jetzt alles ziemlich kryptisch, hm? Es war und ist für mich aber auch nicht gerade leicht diese Fragen, diese Antworten, diese Erkenntnisse anzunehmen. Eben weil es letztlich bedeutet – und das ist das Wichtigste – dass ich mein Leben ändern muss, dass ich von vorn anfangen muss. Und zwar jetzt.

Was das jetzt mit dem NaNo zu tun hat? Genau 2.277 Worte. Während ich mich nämlich auf dem Selbsfindungstrip befand (oder noch befinde), ist der NaNo in Vergessenheit geraten. Und was noch schlimmer ist: Er ist ins Desinteresse gerutscht. Das tatsächliche Schreiben ist ins Desinteresse gerutscht und momentan fühle ich mich weiterhin nicht in der Lage zu schreiben. Ob das also etwas mit dem NaNo wird, kann ich überhaupt nicht sagen. Auf der einen Seite bin ich jetzt traurig, dass ich, obwohl ich mich schon so früh im Jahr darauf freute, keine Worte zustande bringe, dass ich es schleifen lasse – auf der anderen Seite interessiert mich es mich doch nicht und ich suhle mich täglich im Schmerz der Antworten und der Verzeiflung um meine Zukunft. Mein Leben ist also momentan ziemlich grausam und der Hass und die Welt kann mich mal kreuzweise.

Nuff said.

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