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Herzschmerz oder Kopfschmerz – Was schreibst du?

Vor einiger Zeit regte euch dazu an euch ein „Entwicklungs-Publikum“ zu suchen. Heute möchte ich, dass ihr euch Gedanken darüber macht, welcher Art euer Geschriebenes ist.

Um das Herauszufinden, gibt es vier Klassifikationen von Kunst, die sich gegenseitig beeinflussen können:
– Gattung (Ausdrucksmedium)
– Genre (thematisch-motivischer Inhalt)
– Epoche (räumlich-zeitliche Zuordnung)
– Stil (Formsprache)

Was uns als schaffenden Künstler der (fiktiven) Literatur (einer Kunstgattung) vornehmlich interessiert, ist das Genre. Über die Gattungen innerhalb der fiktiven Literatur sprachen wir bereits.

Auch der Stil ist interessant, aber, im Gegensatz zum Genre oder der Gattung, nichts, was wir bewusst wählen können. Zwar ist es möglich gezielt blumige Beschreibungen zu üben, genauso wie man die Schreibweise eines bestimmten Buchstabens üben kann, letztlich hängt die tatsächliche Schreibweise, beziehungsweise der Stil, jedoch von unserer Persönlichkeit ab.
Die Epoche ist als Einziges völlig von Desinteresse für uns, da wir sie nicht wählen können, weil sie durch das Entstehungsjahr, beziehungsweise Veröffentlichungsjahr, vorgegeben wird. Seit 1960 befinden wir uns daher in der Postmoderne. (Die sich bis 1967/’90 mit der Nachkriegs- bzw. DDR-Literatur überschnitt.)

Wenden wir uns also den Literaturgenren zu – werden wir erschlagen. Es gibt so viele Genres wie es Menschen gibt. Oder besser gesagt: Inhalte.
Wie oben schon erwähnt, bezeichnet der Begriff Genre die Einteilung eines Textes nach seinem thematisch-motivischen Inhalt. Mit motivisch ist dabei aber nicht das gemeint, was man denken könnte, sondern die Handlungsschemen, die sich in sechs Grundformen gliedern lassen: Romanze, Abenteuer, Ermittlung, Jagd, Erkennung, Schauer.

Zusammen genommen ergeben sich dann jene Genre (und diverse Subgenre) daraus:

Abenteurroman
(Men’s Adventure, Picaresque Novel, Robinsonade, War Novel)
Arztroman
Bildungsroman
Chick-Lit
(Bigger Girl, Christian, Glamour, Hen, Lad, Mom, Multi-Cultural, Mystery, Fantasy, Single City Girl, Wedding, Working Girl)
Erotik
Heimatroman
Horror
(Extreme, Gothic [English, American (mehr historische Einteilung)], Lovecraftian/ Lovecraft Mythos/ Cthulhu Mythos etc., Noir, Psychological, Quiet/Soft)
Krimi
(Bibliothekskrimi, Frauenkrimi, Pulp And Hard-Boyled, Historisch, Milieu, Noir, Polit, Real Crime, Religion)
Liebesromane
Phantastik
— Fantasy
(High, Low, Urban, Kunstmärchen, Animal, Sword and Sorcery, Dark, All Age, Humorous, Pseudodokumentation, pseudohistorisch, Social)
— Science Fiction
(Apocalyptic/ holocaust/ post-apocalyptic, Cyberpunk, First Contact, Hard, Light/humorous, Military, Near-future, Slipstream, Soft/Sociological, Space Opera, Time Travel)
Thriller
(Action, Conspiracy, Crime, Disaster, Drama, Eco-thriller, Horror, Legal, Medical, Political, Psychological, Spy, Supernatural, Techno-thriller)

Spezialfall: Cross-over (Kein selbständiges Genre, allerdings eine Mischung aus jenen, wie bspw. Science-Fantasy, Future Fantasy, Erotic Horror etc. pp.)

Erschlagen. Alle. Ich weiß.
Bei der Recherche staunte ich auch nicht schlecht, was es alles an Subgenren gibt. Auf der einen Seite war es natürlich abzusehen, auf der anderen Seite bin ich selber nur Phantast. Eins ist aber sicher: Das da oben ist bei Weitem nicht alles.

Was nun also?
Simpel. Ich möchte nicht, dass ihr euch hinsetzt und sagt: „Ich schreibe jetzt Slipstream-SF.“ Nein. Ich möchte, dass ihr euch eure Sachen vornehmt und auf den Inhalt hin überprüft und dann versucht einzuordnen. Am Einfachsten ist es wohl, wenn ihr mit den vier Grundformen anfangt. Dann könnt ihr diese Grundformen weiter differenzieren – soweit ihr wollt und jetzt könnt.
Wichtig ist, dass ihr nicht verzweifelt, wenn ihr mal nicht weiter wisst. Das ist nicht schlimm! Primär geht es mir darum, dass ihr euch mit euren Geschichten tiefer auseinandersetzt – über deren Plot und Charakterentwicklung einfach hinaus.

Wenn ihr nämlich wisst, was ihr schreibt, dann wisst ihr auch, wie ihr es schreiben könnt. Mit Sicherheit lässt sich nämlich sagen: Je nach Genre gibt es stereotypische Handlungsverläufe, Welten, Charaktere etc. pp. – aber auch Erwartungen der Leser, die man mehr oder minder erfüllen sollte. (Auch eine Leser-Überraschung kann negative Auswirkungen haben. Ihr solltet also genau wissen, was ihr tut; und das setzt Kenntnisse über Genres voraus.)
Letztlich tut ihr euch und eurem (vorerst Entwicklungs-) Publikum nämlich einen großen Gefallen: Eure Geschichte wird weiter typisiert/spezialisiert und ihr könnt euch ein spezielleres Publikum suchen, dass euch dann besser helfen kann. (Eure Mutter liest bspw. viel Chick-Lit und ihr gebt ihr nun eine Dystopie – da wird sie euch wohl nicht viel helfen können.)

Wie so oft im Leben gilt auch hier: Die Geschmäcker sind verschieden – und mit dem, was uns gefällt, kennen wir uns meist besser aus als mit Dingen, die uns gar nicht liegen.


Quellen und Weiterführendes:

Wikipedia: Kunstgattung
Wikipedia: Genre
Wikipedia: adventure novel
Chicklitbooks: Sub-Genres
Fiction Factor: Horror Sub-Genres
Lock-In: Krimi-Subgenres
Writing World: SF Sub-Genres
Wikipedia: Thriller Sub-Genres

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