Werkstatt

Die Angst vorm leeren Blatt

Ängste gibt es viele.
Manche sind dauerhaft, andere spontan. Manche lassen einen nur erzittern, andere engen einen ein und wiederum einige können einen töten.

Jeder von uns hat in seinem Leben schon einmal Angst gehabt, vielleicht sogar Todesangst. Aber es gibt wohl nur eine Angst, die Schreiberlingen vorbehalten ist. Eine Berufsangst, gewisser Maßen.

Die Angst vorm leeren Blatt.

Sie befällt jeden Schreiber am Anfang seiner Laufbahn, beinahe wie eine Reifeprüfung. Glücklicherweise ist diese Prüfung einfacher zu bewältigen als man denkt.

Auf die Frage eines Radio-Talkmasters, wie er schriebe, antwortete Stephen King einmal: „Ein Wort nach dem anderen.“(*)

Ich denke, dass das auch gut ist, um der Angst vorm leeren Blatt entgegen zu treten:

Schreiben!

Paradox, nicht wahr?
Aber nur auf den ersten Blick. Obwohl so ein leeres Blatt zu den reinsten Dingen gehört, die es gibt, und seine ausgestrahlte Unantastbarkeit Schreiber anfänglich in die Knie zwingt – es ist dazu da beschmutzt zu werden. Das ist sein einziger Existenzgrund.

Also nehmt, verflucht noch eins, einen Stift zur Hand und beschreibt es, beschmiert es, bekrakelt es; streicht Sachen darauf durch, panscht mit Farben herum. Hauptsache ihr tut etwas gegen diese scheinheilige Unantastbarkeit! Dieses Stück (Papier) hat es nicht anders verdient.

Ansonsten lasst es bleiben. Geht lieber in den Park oder mit dem Hund raus. Vergesst es zu schreiben.
Schreiberlinge sind Mörder und wer nicht einmal ein weißes Blatt „ermorden“ will, wie will er’s dann einmal bei seinen Charakteren anstellen?

Wenn ihr euch jedoch überwinden könnt, dann kommt der Rest ganz von alleine. Wie beim Laufen. Schritt für Schritt, Wort für Wort oder einfach auch Buchstabe für Buchstabe.

Stellt am Anfang keine großen Ansprüche an euch selbst und euer Geschreibsel. Wie alles andere, so verlangt auch das Schreiben Übung. Insofern freut euch anfänglich darüber, dass ihr eine zusammenhängende Geschichte oder auch nur Szene zu Stande gebracht habt.
Schritt für Schritt, Wort für Wort. Hauptsache, ihr beschmutzt das weiße, reine Papier und streckt der Angst vorm leeren Blatt somit die Zunge raus.

Hier könnt ihr schon einmal üben: #1 – Lern zu töten.

(*) – Stephen King: Das Leben und das Schreiben, ullstein Taschenbuch, 2. Auflage 2008, S. 174

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