Sumpf

Mein Vorhaben, in diesem Jahr maximal 30 Bücher zu kaufen, schwankt bereits diesen Monat schon beträchtlich. Ich mein, ich könnte es lassen, spontan Buchhandlungen zu betreten, weil mich die Auslagen so magisch anziehen… Aber eigentlich war das etwas, das ich mir nie verbieten wollte. Wäre ja noch schöner: eine Buchhändlerin, die Buchhandlungen wie der Teufel das Weihwasser scheut. 😀
Seht selbst, was sich diesen Monat in meinen Einkaufskorb stibitzt hat:

Die Wolfsgrube von Szilárd Rubin

Schnee, Eis, eine abgelegen Hütte, ein zusammengewürfeltes Ensemble – und ein Tatort ohne Leiche. Perfekt. Sozusagen ein Kammerspiel im Schnee. Ich freu mich schon richtig drauf.

Valhalla von Thomas Thiemeyer

Mein letzter Thiemeyer ist sooo furchtbar lange her, ich glaube, das war… Korona 2012. Puh. Insgesamt gesehen mochte ich seinen Schreibstil, fand die zumeist fantastischen Auflösungen seiner Bücher aber gelegentlich zum Schießen komisch. Mit Valhalla schreibt er wieder in einem Setting, für das ich so ein kleines Faible habe und bei dem ich einfach nicht widerstehen kann. Dass bei all dem Schnee und Eis auch noch Nazis mitmischen, ist zwar nicht unbedingt so meins, hat aber einen netten Indian-Jones-Touch, dass ich es einfach mit der nötigen Trash-Erwartung lese. Bisher sind manche Dialoge und Beschreibung erwartungsgemäß vorhersehbar bzw. fühlen sich vom Timing wohl bekannt (und nach Hollywood) an – da das aber genau das ist, was ich wie gesagt erwarte, ist alles bestens bisher.

Fantastic Beasts The Original Screenplay von J.K. Rowling

Da ich fürchte, den Film nicht mehr im Kino genießen zu können, habe ich mich für die Buchausgabe entschieden. Wie gut, dass sie das Theaterstück als Buch herausgegeben hatten sonst würde es dieses Schätzchen gar nicht geben. Auch hier ist die Umschlaggestaltung besonders toll; vor allem das matte, samtige Papier. Jetzt müsste ich nur noch das Theaterstück vorher lesen.

Fool’s Assassin von Robin Hobb

Es ist zwar ein Paperback und ziemlich dick, aber es ist auch einfach so furchtbar schön gemacht von außen. <3 Zu Hause habe ich dann festgestellt, dass es doch nicht so einfach zu lesen ist, aber egal, dann geht es eben Stück für Stück voran. xD Robin Hobb wurde auch im Zirkel schon einige Male positiv erwähnt, also hoffe ich doch mal, da nicht allzu falsch gekauft zu haben.

Die Expedition. Eine Liebesgeschichte von Bea Uusuma

Gut, zugegeben, das habe ich mir gekauft, weil ich auf Neyashas Blog davon gelesen habe und mich sowohl die Aufmachung als auch das Thema (eben wie bei Valhalla) sehr reizten. Als es bei mir ankam, war ich von der Größe und der Ausgestaltung wirklich sehr positiv überrascht. Bisher liest es sich auch sehr spannend. Also auch von mir bereits eine Empfehlung. 🙂

Le Petit Prince von Antoine de Saint-Euxpéry
Histoires indédites du Petit Nicolas I von Goscinny & Sempé
Les enquêtes du comissaire Sétout von Diversen

Man plant einen Paris-Urlaub. Entsprechend praktisch wäre es ja da, mal das olle Schulfranzösisch aufzupolieren und zu verbessern. Was hilft da besser als auch in der Sprache zu lesen? (Auch wenn Der kleine Prinz im Moment noch weiter über meinen Fähigkeiten liegt. Aber nicht nur die Leber wächst an ihren Aufgaben, nicht wahr.)

Sumpf

Hatte ich schon gesagt, dass 2016 für’n Poppes war? Nein? Dann eben jetzt: 2016 war für’n Poppes. Punkt.
Nicht nur weltpolitisch oder was Promis betrifft (: Always.), auch meine Jahresziele habe ich im Groben und Ganzen… nicht erreicht. Die Lesechallenge ist dabei eher das kleinere Übel, das hinter dem RL und meinen ambitionierten Schreibversuchen zurückstecken musste. Das Soll auf 40 Bücher abzusenken, war vielleicht gut gemeint, da ich mich aber dem Weihnachtsgeschäft beugen musste, half das letztlich auch nichts. Trotz allem jedoch, und ich versuche das ehrlich positiv zu sehen, habe ich es immerhin auf 31 Bücher geschafft und liege damit immer noch weit über der Grenze zum Vielleser. (Wenn für manche Preise die Juroren allerdings an die 80 Bücher lesen müssen, wird mir völlig anders. Bei aller Liebe, das wäre nix für mich.)

Da das letzte Jahr also wenig erfolgreich war für mich, habe ich mich besonnen und mir für 2017 bedeutend weniger vorgenommen. Genauer gesagt, die Hälfte, nämlich 30 Bücher. Wenn ich darüber komme, ist das super, aber nur Bonus. Wichtig ist mir im Moment, das Lesen neben allen anderen Dingen nicht zu sehr zu vernachlässigen und da ist letztes Jahr doch ein guter Richtwert. (Bisher habe ich auch schon drei Bücher geschafft. Also: yay.)

Sumpf

Eigentlich zählt Dr. Siri Paiboun, einziger Leichenbeschauer im Laos der siebziger Jahre, bereits die Tage bis zu seiner Pensionierung. Wäre da nicht Richter Haeng, der seiner Rolle als ewige Nemesis gerecht wird und den Doktor in die Berge schicken will. Ein US-Militär ist dort vor Jahren mit seinem Flieger abgestürzt und Siri soll einem amerikanische Suchtrupp zur Seite stehen. Geschickt wirft Siri die vom Richter geplante, restliche Liste der laotischen Reisemitglieder über den Haufen und lädt kurzerhand seine eigene Familie und Freunde ein. Wann kriegt man auch schon mal einen Urlaub in den Bergen auf Staatskosten spendiert.
Angekommen im Hotel der Freundschaft, das nicht nur einen malerischen Namen trägt sondern auch sehr malerisch in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Long Tien liegt und von allerlei nicht explodierten Streubomben umgeben ist, beginnt eine neue Episode von Spiel, Spaß und Spannung im Dschungel von Laos, die schon bald den ersten Toten fordert.

Nachdem die letzten beide Teile um Dr. Siri arg düster und teilweise sehr bedrückend waren (gerade der Vorgänger Dr. Siri ermittelt), hebt sich diese Düsternis in diesem Teil endlich ein wenig auf. Dr. Siri hat seinen Humor wiedergefunden und auch sein Kumpel und ehemaliges Politbüromitglied Civilai kriegt ein bisschen mehr Sendezeit spendiert und darf sogar seine politischen Fähigkeiten in einem Machtspielchen mit einem US-Senator beweisen. Aber auch Tante Bpoo, bisher nur skurrile Randerscheinung in den vorigen Romanen, ist dieses Mal mit von der Partie, hat sie sich selbst dem bunten Suchtrupp angeschlossen, um den guten Doktor vor seinem jähe Ende zu bewahren. So viel also zum Thema Urlaub.
Was mir besonders gefallen hat, war allerdings die Geschichte als solche, die sich mehr auf die einzelnen Figuren und den kulturellen Zusammenprall zwischen Amerikanern und Laoten konzentriert als denn auf eine Mordserie oder viele Leichen. Erstaunlicherweise ist das Buch auch recht leichenarm, wenngleich viele im Hintergrund ihr Leben lassen müssen. Auch die Auflösung gefiel mir, die dieses Mal eher politisch motiviert war als dass es sich um einen Serienmörder handelte. Zumal dadurch, dass die muntere Reisegruppe mehr oder weniger auf das Hotel der Freundschaft und dessen Umkreis beschränkt war, die Geschichte eine nette Komponente von „Mord-im-verschlossenen-Raum“ hatte. Von den Geschichten und den Figuren her also wieder ein sehr unterhaltsamer Dr.-Siri-Teil.
Weniger unterhaltsam und eher recht ärgerlich war, dass diesmal ein neuer Sprecher für das Hörbuch zum Zuge kam. Generell habe ich eher weniger Probleme damit, wenn Sprecher wechseln. Im Falle von Dr. Siri war es auch so, dass Jan Josef Liefers eine wunderbare Vorlage eines humorigen, kauzigen Doktors lieferte, der Peter Weis später sehr gerecht wurde. (Auf Grund der älteren Stimme empfinde ich Weis sogar als passender für den Doktor denn Liefers.) Warum sich der Hörverlag allerdings dazu entschlossen hat, Fabian Hinrichs lesen zu lassen, bleibt mir schleierhaft. Waren die anderen beiden verhindert/ zu teuer geworden? Gibt es keine anderen Sprecher mit alten Stimmen, die zum Doktor passen? Fabian Hinrichs mag zwar Anfang vierzig sein, klingt aber wie Mitte zwanzig und liest dazu noch über jede Spitze der Figuren hinweg als könnte er Ironie und Zynismus nicht einmal buchstabieren. Das führte dazu, dass ich über ein Jahr gebraucht habe, mich reinzuhören und nicht schon die Lust nach fünfzehn Minuten Hörzeit zu verlieren.
Wer also kann, sollte diesen Teil lieber als Buch lesen. Den nächsten Band (Dr. Siri und die Geisterfrau) liest dann, glücklicherweise, wieder Peter Weis.

Cotterill, Colin: Dr. Siri und der explodierende Drache
978 3 8445 1884 9
Der Hörverlag
August 2015
Höruch, 10 Stunden