Schreibratgeber

20160904 King Leben und Schreiben 1

Es gibt sehr viele Ratgeber über und zum Schreiben, aber keiner davon hat mich so beeinflusst wie Das Leben und das Schreiben von Stephen King — es war der erste Ratgeber, der mir in den Schoß fiel, und der Anfang vom Ende der eins meiner größten Laster begründete.
Es muss zwischen 2007 und 2009 gewesen sein. Ich hatte damals gerade mit Studieren begonnen und war recht aktiv in der Schreibwerkstatt von Jacky (aka J. Vellguth), so sehr sogar, dass ich einen Moderatorenposten inne hatte. Wenn ich mich recht entsinne, war es ein Weihnachtsgeschenk gewesen, das sie dem gesamten Team gemacht hatte. Das Leben und das Schreiben war zu dem Zeitpunkt nicht unbedingt die größte Offenbarung meines Lebens gewesen, aber es zeigte mir eine völlig neue Seite am Schreiben. Plötzlich gab es soetwas wie Handwerkszeug, ja sogar einen Handwerkskasten — aber vor allem hieß das für mich, dass ich schreiben lernen konnte. Es war keine gottgegebene Sache mehr, kein Stein der Weisen, den nur die Besten der Besten kennen und sorgsam hüten.

Was Das Leben und das Schreiben so sehr von anderen Ratgebern unterscheidet, ist aber nicht nur meine persönliche Beziehung zu diesem ganz speziellem Exemplar. Es ist die Mischung aus Biografie und Ratgeber. Ich habe von einigen Leuten gelesen, die genau diese Kombination bemängeln als hätte Herr King sich nicht entscheiden können, was er schreiben will. Mir erging es eher anders herum und ich fand den biografischen Teil sehr motivierend. Gut, ein paar Anekdoten wie der Brennnesselstreich seines Bruders zeugen nicht unbedingt von schriftstellerischer Bedeutung. Alles zusammen genommen zeigt Kings Leben jedoch, dass Erfolg als Schriftsteller vor allem und zuvorderst undankbare Arbeit ist. Undankbar, weil Schreiben gerade zu Beginn etwas ist, das man nur tun kann, wenn man sich selbst dazu antreibt, und für das man auch investieren muss (Zeit, Geld, Schweiß und Nerven). Gerade wenn er erzählt wie er nach der Arbeit in der Wäscherei noch los ist, um auf einer gemieteten Schreibmaschine für jede getippte Seite zu bezahlen. Es hat etwas von diesem „Vom Tellerwäscher zum Millionär“, und auch wenn ich heute weiß, dass Erfolg nicht nur Wille ist sondern vor allem einfach sehr viel Glück am richtigen Ort zur richtigen Zeit von den richtigen Leuten bemerkt zu werden, hat mir der Gedanke schon in so manchen Stunden Kraft gegeben. Du verlierst nur, wenn du aufgibst, sozusagen.
Der zweite Teil über die Handwerkszeuge eines Schriftstellers mag, wenn man bereits andere Ratgeber gelesen hat, nicht unbedingt neu vorkommen. Zum einen muss man aber bedenken, dass Herr King seine Romane gerne aus dem Bauch heraus schreibt und zum anderen, dass bei allen Ratgebern, die man lesen kann, sich das Handwerkszeug auf sehr wenige Dinge herunter brechen lässt. Als erster Ratgeber oder für Leute, die nicht alles bis ins kleinste Detail seziert sehen wollen, reichen die Ausführungen allemal. Aber auch jeder andere Schriftsteller kann einen Blick riskieren, und wenn es eben nur für den biografischen Teil ist.