Kopfkarussell, NaNoWriMo

Das schönste am Schreiben ist, wenn ich die Zeit um mich vergesse und völlig in meinen Geschichten versinke. Leider passiert mir das nicht immer, aber wenn es passiert, dann weiß ich wieder, warum ich mir den ganzen Stress überhaupt antue. Seien wir ehrlich, Schreiben ist eine ziemlich einsame und stoische Tätigkeit – von außen betrachtet.

Meine bisher tiefsten Söge ereigneten sich, lustigerweise, im NaNoWriMo. Den ersten wirklichen Rausch, auch wenn ich vorher schon ein paar Jahre schrieb, hatte ich 2011 mit Jin & Lis. (Vielleicht ist das auch so ein Grund, warum ich an den beiden so hänge.) Natürlich herrschten damals auch perfekte Bedingungen: Ich war arbeitssuchend und arbeitete nur für ein paar Stunden an der Rezeption einer Jugendherberge, nach eigenem Ermessen oft abends und da gerade im November eher weniger Gäste anwesend waren (und die wenigen anwesenden sich auch eher auf den Weihnachtsmärkten herum trieben), konnte ich nach getaner Arbeit entspannt vor mich hinschreiben. Natürlich ist nicht unbedingt immer das NaNo-Soll draus geworden, und weil ich auch schnell in ein tiefes Plotloch fiel, musste ich am Ende sehr viel auf einmal aufholen. So sehr, dass ich am Ende 7k zusammen schrieb – die ich auch nur schaffte, weil ich zwischendurch in einen Auto-Modus fiel. Das hatte mich schon ziemlich beeindruckt, und auch erschöpft.
Zwei Jahre später jedoch, mit Claudine Duprais, geriet ich in einen Sog, der bisher seinesgleichen sucht. Damals war der Rausch so stark, dass ich heute immer noch denke, dass ich das eigentlich nicht noch einmal erleben will. Wie immer hatte ich auch damals einen Hänger, den ich am Ende aufholen musste. Glücklicherweise konnte ich dann die letzte Woche nur mit Schreiben verbringen – was, mehr oder weniger, unnormale Züge annahm. Ich schrieb bis in den Morgen, ging zu Bett als es hell war und stand wieder auf als die Sonne längst untergegangen war. Alles verschwimmt in der Erinnerung, aber die Erinnerung an den Rausch bleibt. Es beängstigt mich ein bisschen, wenn ich daran zurück denke, wie sehr ich mich den Zahlen unterordnete und nur um des Schreiben Willens schrieb. Das ist etwas, das ich nicht mehr machen wollen würde, denn wenn mich auch mein Hirn mit verrückten Plotwendungen überraschte, so haben verrückte Dinge öfter die unangenehme Eigenschaft, keinerlei Sinn zu ergeben. Und Plot ohne Sinn war ja nun nicht mein Ziel gewesen.
Da ich aus Claudine doch ein bisschen schlauer geworden war, hielt ich mich letztes Jahr bei Elvira & Claire zurück und ging die Sache bewusst langsam an. Dabei sind ein paar wirklich schöne Szenen entstanden. Andererseits liebe ich auch die Szenen, die ich hingegen ohne doppelten Boden schrieb und die ihre ganz eigene Art des Rausch inne hatten. Vorher war Rausch etwas gewesen, das mit einem unglaublich hohen Output verbunden war und mich deswegen wie eine Abwärtsspirale mit sich riss. Bei E&C war es einfach das gedankliche, innere Versinken in und um der Welt und den Figuren.

Aber was ist eigentlich so ein Rausch, wie fühlt sich so etwas an, wie kann man es beschreiben, und vor allem: Warum passiert es, und wie? Zu den letzten beiden Fragen kenne ich die Antwort nicht, weil ich kein Mediziner bin, und Suchergebnisse sich immer nur auf tatsächliche Drogen beschränken. Nur ist Schreiben insofern keine Droge als dass eine Substanz eingenommen wird, die dann die Körperchemie beeinflusst und so zu Sinnestäuschungen führt. Schreiben im Rausch ist eher ein extremer Tunnelblick, ein extremes Fokussieren auf eine Sache. Vielleicht lässt es sich mit Yoga vergleichen, oder anderem extremen Sport, bei dem man sich von der Außenwelt abkapselt und nur auf sich fokussiert ist. Die Sinne werden also nicht getrübt, nur ausbalanciert oder auf einen Zweck gerichtet, und der Körper reagiert, vermute ich, mit der Ausschüttung allerlei Botenstoffe. Als würde sich mein Körper an das Schreiben anpassen und sich so verändern, dass ich noch sehr lange schreiben kann, oder auch einfach nur besonders kreativ bin. Besonders dabei ist, dass sich Bewertungen des Geschriebenen völlig zurück nehmen. Es tritt eine Art Fluss ein, dem ich nur immer weiter folgen kann bis ich am Ende meiner (geistigen) Kräfte bin – oder völlig heraus gerissen werde. Bei mir reicht dafür schon eine kurze Frage meines Freundes, vielleicht, weil ich mein Denkmuster dafür unterbrechen muss. Manchmal wünschte ich, es gäbe eine App oder eine Anzeige dafür, was gerade in meinem Kopf vor sich geht, nur damit die Außenwelt sehen kann, ob es gerade eine so gute Idee ist, mich anzusprechen oder nicht. Leider werde ich recht grummlig, wenn ich gerade aus einem guten Lauf gerissen werde. Und leider lässt sich dieser Rauch nicht bewusst herbei führen. Zumindest habe ich bisher keine Abkürzung gefunden, kein Fingerschnippen, kein Pilleneinwurf und schwupps, läuft es wie am Schnürchen. Normalerweise brauche ich sogar ein, zwei Stunden ehe ich überhaupt in der Geschichte richtig drin bin und damit ideale Bedingungen für einen Rausch herrschen. Nur habe ich oft nicht die Zeit oder die Kraft, soweit zu kommen, und so wachsen meine Geschichten eigentlich immer in Babyschritten.

NaNoWriMo, Werkstatt

Wenn ich mir das so anschaue, war ich doch ein bisschen umtriebig gewesen diesen Monat. Gut so, ich hoffe, ich kann den Output halten, oder vielleicht sogar noch erhöhen.

Schreiben

Es tröpfelt vor sich hin. Den letzten Monat über habe ich versucht, meinen selbstaufgestellten Blogplan zu erfüllen. Bisher läuft es auch ganz gut, auch wenn ich leider nicht den Vorsprung heraus schreiben konnte wie ich eigentlich wollte. Ich hoffe, dass ich jetzt in den ersten Oktobertagen alles bis zum NaNo abgearbeitet haben werde.
Ansonsten springen in meinem Kopf verschiedene Ideen für den NaNo umher. So richtig entscheiden konnte ich mich bisher noch nicht.

Webprojekt 1 aka Thä Statistiktool

Angeregt durch den NaNo war mir eine Idee gekommen, die ich zusammen mit meiner besseren Hälfte umsetzen möchte. Bisher stehen Skizzen, ein Maskottchen (Gomo <3) und ein bisschen Vanilla Code, sowie Ansätze einer Datenbank. Leider bin ich auf der informatischen Seite des Projekts eher weniger bewandert, oder sagen wir viel mehr, im Erschaffen bin ich nicht so firm. Zwar wühle ich mich gerade durch React, am Ende muss aber wohl doch wieder meine bessere Hälfte umsetzen. Mir bleibt dann vermutlich die Community-Betreuung, wenn das Projekt denn mal steht … (Die Ironie darin werdet ihr noch früh genug erkennen, schätze ich. ;P )

Webprojekt 2 aka Der Blogroman

Wo wir schon beim Aim High-Grundsatz sind: Mir ist eine Idee zugesprungen, die sich partout nur als Blogroman mit 100k+ Wörtern umsetzen lassen möchte, und nebenbei auch noch als SP-Projekt vertrieben werden will. Im Moment lenke ich mich mit der Themegestaltung des Blogs ab bzw. der knallhart durchkalkulierten Zahlen pro Folge und der Veröffentlichungsrhythmen. Da ich das Projekt allerdings auch in den NaNo mitnehmen will, weil ich die VÖ äußerst realistisch auf 1. Quartal 2017 festgesetzt habe, muss ich diesen Monat doch langsam mal mit Plotten beginnen. Oder Weltenbasteln.

NaNoWriMo

Die Entscheidung für beide Projekte ist gefallen. Jop. Genau. Weil ich das auch so gut kann, werde ich wieder versuchen, zweimal 50k Wörter zu schreiben. Also 100k. Zumindest, wenn ich streng sehen würde. Da, wie gesagt, ein Projekt allerdings der Blogroman ist, wäre ich schon froh, wenn ich dort wenigstens jeden Tag 800 Wörterchen hinbekommen würde, also ein halber NaNo. Schließlich will ich mich völlig auf den eigentlich Roman, NaNo-Projekt Nr. 1, konzentrieren und nicht nur 50k Wörter schreiben sondern ihn, zur Abwechslung einmal, auch beenden! Jap. Ich bin es ein bisschen Leid, sooo viele Anfänge zu haben und so wenig Beendetes.

Jahresvorsätze

Seit Juni sieht es immer noch nicht besser aus. Jin&Lis darben weiter vor sich hin, auch wenn sie immer mal wieder durch den Kopf springen und mit der ein oder anderen Szene aufwarten. Zum Lesen bin ich diesen Monat auch null gekommen, weil ich meinen Blogplan erfüllen wollte, und auch die KaKAO-Karten waren wohl sehr, sehr hoch gegriffen. Zwar habe ich mich seit Monaten mal wieder auf der Seite blicken lassen, Zeit für eine Karte habe ich aber noch nicht wirklich gefunden.

Sonstiges

Ich habe tatsächlich am kulturellen Leben teilgenommen und eine Veranstaltung der Futurale besucht. Ansonsten war es eher ruhig. (Danke Erkältung. *schnief*) Im Kino läuft bisher ja auch nix, das ich unbedingt jetzt sehen muss, und über literarische Novitäten brauchen wir gar nicht zu reden bei meinem Lesetempo.

NaNoWriMo

NaNo15: I did it again

Wuhu, was für eine Achterbahnfahrt! 😀
Für dieses Jahr hatte ich mir wieder zwei NaNo-Romane vorgenommen und habe schließlich mit einem gewonnen. Wie immer lief der Start stark. Ich hielt drei Tage durch, jeden Tag 3,3k Wörter zu schreiben, dann brach ich das erste Mal ein — und kam sehr lange nicht heraus. Daran schloss sich ein Tief in Woche zwei an. Nicht überraschend, aber dennoch warf es mich zurück. Aber ich gab nicht auf und kämpfte mich tapfer in Woche drei voran. Nur, um dann wieder in einem Tief zu landen… Wir kennen das ja.
Ich musste schließlich einsehen, dass ich bei meinem Rückstand unmöglich zwei Romane würde beenden können. Also verabschiedete ich mich von einem und schrieb mich zumindest in drei Tagen mit meinem Hauptaccount zum Sieg. Sogar nicht nur knapp sondern mit fast 1,5k ins Plus. Es lief gerade so gut. Meinen Rekord mit 7k hatte ich zwar nicht geknackt, aber 6,5k sind ja auch nicht schlecht.
Eine gute Hilfe war mir in diesem Jahr wieder die NaNo-Gruppe im Zirkel gewesen. Nachdem ich 2014 pausiert hatte, ging ich frisch erholt in den Wahnsinn, der hinter den Toren der Gruppe lauert. Spiele, Romane-Threads, Schnipsel, Teambattles — ich war voll ausgelastet, aber auch ziemlich high von diesem Gruppengefühl. Gerade eine Aktion namens „Die Ritter von Tizilot“ ab Mitte des Monats half mir sehr bei meiner Aufholjagd. Den Rittern habe ich auch meinen T-Rex zu verdanken, der mich seither als treues Reittier begleitet. Gemeinsam meuchelten wir in harten Schlachten unzählige Wörter nieder. ;D Wer sich davon überzeugen will, hier die Statistik:

20151218 NaNo Statistik Gewinner