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st aubyn beste roman jahres

Edward St Aubyn begegnete ich das erste Mal vor vier Jahren als ich Schöne Verhältnisse von ihm las. Zugleich war ich fasziniert wie angewidert von den kaputten Familienverhältnissen, die er darin beschrieb. Mit Der beste Roman des Jahres hat er allerdings, meiner bescheidenen Meinung nach, einen großen Schritt im Können gemacht. Wo Schöne Verhältnisse offen abstoßend waren, geht es alles in Der beste Roman subtiler zur Sache. Nicht zuletzt auch, weil uns mehrere Personen vorgeführt werden, deren Ach und Weh vom verliehen Preis bestimmt werden.

Aber was ist das für ein Preis? Wie der Titel vermuten lässt, geht es um einen Literaturpreis, dessen Gewinn in meinen Augen fragwürdig ist, wird er doch von einem Agrarkonzern ausgelobt, der Herbizide, Pestizide und genverändertes Getreide produziert. (Aber natürlich ist es Absicht.)
Interessanter, und Kern des Romans, sind hingegen die Personen, die vom Elysia-Preis vereinnahmt werden. Zum einen wäre da ein kleiner Politiker, der sich vom Vorsitz der Preisjury eine höhere Aufmerksamkeit und Bekanntheit verspricht. Hinzu kommt natürlich die Jury selbst, aus mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten, die mehr oder weniger etwas mit Literatur zu tun haben, und einige Spieler von der Seitenbank wie die bindungsscheue Schriftstellerin Kathrine, ihre drei Lover, eine Dame aus indischem Königshaus, deren Kochbuch zum Romanpreis eingereicht wurde, und ihr Neffe, völlig realitätsfremd und angesäuert, dass sein Meisterwerk nicht für den Preis nominiert ist.
Das für mich Herausragende am Roman besteht allerdings darin, dass St Aubyn viele Erzählstimmen vereint, wenn er seine Charaktere aus den zum Preis eingereichten Romanen lesen lässt. Das reicht von Gossensprache, aber schwülstige Naturbeschreibungen bis hin zum hochtrabenden Geplänkel eines Adligen. Insgesamt alles abwechslungsreich zu lesen, auch wenn mir manche Auszüge zu lang waren. (Oder es bspw. nicht ganz so leicht war, Didiers hochtrabenden Gedankengängen zu folgen.)

Der beste Roman des Jahres war ein Genuss zu lesen. Bedingt durch die Thematik denke ich allerdings, dass dieser Roman eher für diejenigen interessant ist, die der Literatur oder dem Schreiben etwas abgewinnen können.

St Aubyn, Edward: Der beste Roman des Jahres
978 3 492 05435 5
Piper Verlag GmbH, München
September 2014
HC, 255 Seiten

Empfehlungen

Johannes Cabal hat Besseres zu tun, als mit der mirkavianischen Schickeria Cocktails zu schlürfen und über den Himmel zu schippern. Aber was will man machen, wenn man als Bücherdieb und Totenbeschwörer auf der Flucht ist. Glücklicherweise geschieht alsbald ein Mord und Cabal vertreibt sich die Zeit mit dessen Aufklärung — was sich allerdings etwas schwierig gestaltet, da seine Tarnidentität nicht von der neugierigsten Sorte ist und auf Cabal auch noch ein Mordanschlag verübt wird. Nun, zumindest auf seine herumschnüffelnde Tarnung. Und als wäre das nicht genug, muss sich Cabal noch mit Miss Barrows herum schlagen, deren Leben er letztlich retten darf. Und seines natürlich ebenso. Nur das Luftschiff … Tja.

Manchmal verliert man Dinge aus den Augen und mir ging es mit dieser Serie so. Teil 1 (Seelenfänger) las ich irgendwann 2012, grob kenne ich die Geschichte noch, aber wie sehr mir der Stil gefiel, weiß ich nicht mehr. Es muss allerdings nicht allzu schlecht gewesen sein, sonst hätte ich den zweiten Teil nicht doch irgendwann gekauft. Dann stand das Buch natürlich im Regal. Und stand, und stand, und stand. Und fast hätte ich ein wunderbares Lesevergnügen verpasst.
Natürlich, der Krimiplot von Cabals zweitem Abenteuer ist nicht sonderlich ausgefeilt, enthält aber letztlich alles, was ein guter Agententhriller der 60er Jahre braucht. — Ja, das Buch kann sich nicht entscheiden, welches Genre es bedienen will. Aber das macht nichts. Wovon es getragen wird, ist zum einen Cabal als Figur, der typische Antiheld, und zum anderen der Humor. Trocken, abgeklärt, überraschend. Eben ganz wie Cabal.

Zu meiner Bestürzung musste ich allerdings feststellen, dass der Titel als deutsche Ausgabe anscheinend nicht mehr lieferbar ist und nur noch gebraucht bezogen werden kann. Bei der englischen Ausgabe sieht es auch nicht unbedingt besser aus. Schade, ich hätte das Buch gern weiter empfohlen.


Howard, Jonathan L.: Johannes Cabal — Totenbeschwörer
978 3 442 47034 1
Wilhelm Goldmann Verlag, München
Oktober 2010
Paperback

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ghostwriter

Herman Banks will den Jahrhundertroman schreiben. Dafür kauft er von seinen vielen Millionen Dollar ein Haus seines Lieblingsschriftstellers in England, nimmt seine junge Frau mit dorthin und igelt sich dort ein. Allerdings ist das mit dem Schreiben nicht so einfach wie gedacht — bis Dinge aus dem Haus verschwinden und zugleich Manuskriptseiten auftauchen. Herman genießt es. Nur dann verschwindet seine Frau …

Dass es in dieser Novelle nicht ohne übernatürliche Dinge zugeht, ist von Anfang an klar. Dass es allerdings wenig spannend ist, ist nicht das, was der Klappentext verspricht. Glücklicherweise tut es der Geschichte keinen Abbruch. Im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass sie eine gute Verfilmung abgeben würde.
Was mir weniger gefiel, waren die eingewebten Passagen des Jahrhundertromans. Zum einen unterscheiden sie sich stilistisch nicht vom restlichen Text — dieser Stil ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich herausragend (in der deutschen Übersetzung zumindest) –, zum anderen ist die Handlung des Jahrhundertromans so eindeutig symbolisch zu sehen für die Handlung um Herman, dass die Passagen schlicht überflüssig sind.
Auch die Figuren sind keine Herzenswärmer. Herman durch seine Verbissenheit, die sich in Wahn steigert — was allerdings zugegeben zur Geschichte passt und ich persönlich auch nicht anders konstruieren würde. Seine Frau Amber durch ihre Passivität. Und die Haushälterin ist einfach nur plakativ. Das mag nicht nur an der Form als Novelle liegen. Den beiden Polizisten DCI Barrie und DS Jones gönnt sie nur zwei Szenen, in denen sie so lebendig werden, dass ich sie sofort mochte.

Insgesamt habe ich die Novelle aber gern gelesen. (Sie las sich ja auch schnell weg.)


Ahern, Cecelia: Der Ghostwriter
978 3 8105 0154 7
S. Fischer Verlage
Mai 2014
HC