Kopfkarussell

Vergleichen oder nicht vergleichen – das ist hier nicht die Frage

Es gibt vieles, das mich als (Wort)Künstler in Depressionen, Ich-schmeiß-alles-hin und Macht-euren-Scheiß-doch-alleine stürzen kann, das liegt in der Natur der Sache. Eins der Dinge, die mich allerdings öfter als andere befallen, sind diese kleinen, gemeinen Gewissensbisse, dass ich es nie zu etwas bringen werde und dass alle anderen doch sowieso viel besser sind als ich. Der Standartrat in dieser Situation wäre wohl, die Gewissensbisse zu ignorieren – und vor allem nicht der irrigen Annahme zu verfallen, mich mit anderen vergleichen zu wollen. Aber ist dem wirklich so? Ist der Vergleich mit anderen etwas so Schlechtes?

Im KaKAO-Forum gab es einmal eine ähnlich gelagerte Diskussion. Auf Grund der Ausrichtung des Forums war meine Sicht damals natürlich auf Bildkunst fixiert. Wenn es ums Schreiben geht, lässt es sich aber ebenso anwenden: Der Vergleich mit anderen beflügelt. Mich zumindest.
Jetzt ist es natürlich nicht so spannend für mich, den Stil eines anderen Schriftstellers zu kopieren wie ich hin und wieder versuche, hübsche Zeichen-Stile nachzuahmen. Ihre Techniken beim Schreiben und wie sie diese letztlich in der Geschichte anwenden – da ziehe ich gerne den Vergleich oder erstarre in Ehrfurcht. (Oder schlage den Kopf auf den Tisch, weil es so idiotisch einfach und effektiv ist, ich selbst aber nie auf die Idee gekommen bin.) Ein Qualitätsvergleich findet da nur indirekt statt. Es ist mehr ein Sammeln neuer Werkzeuge für meinen Handwerkskasten, in dem sicherlich auch das ein oder andere landet, das ich dann doch eher selten anwende, weil es nicht so sehr zu mir oder meinen Geschichten passt. (Fragt mich mal, was ich an Zeichenmaterial habe …)
Wie man im Verlauf der verlinkten Diskussion aber erkennt, ist nicht unbedingt die Frage, ob oder ob man sich nicht mit anderen vergleichen sollte, das entscheidende Kriterium sondern wie sehr man die Erkenntnisse aus dem Vergleichen an einen heran lässt. Das schöne Sprichwort „Die Dosis macht das Gift“ trifft hier ebenso zu. Natürlich muss man dafür erstmal erkennen, dass man sich überhaupt vergleicht – um dann im nächsten Schritt zu fragen: Wozu überhaupt? So ein bisschen ist die Frage nach dem Wozu auch so ein bisschen die Frage nach einem Vorbild. Was will ich erreichen, was ist die Messlatte dafür – und was kann ich tun, um dorthin zugelangen? Sich zu vergleichen, heißt, sich ein Ziel zu stecken, heißt etwas Unkonkretes konkret fassen und sich daran abarbeiten zu können. Gut, schlecht, brilliant – das sind alles Einschätzungen, die ohne Vergleich inhaltsleer sind.
Indem ich mich also mit anderen vergleiche, verorte ich mich selbst und kann auch, da ich ein konkretes Ziel habe, überprüfen, ob ich immer noch auf dem rechten Weg dahin bin. Was ich allerdings auch erst lernen musste, ist mich nicht von kleinen Entwicklungen entmutigen zu lassen, und dass so ein Vergleichen kein Dauerzustand ist. Aber vor allem sollte ich bei Vergleichen mit Leuten vorsichtig sein, die andere Ziele als ich verfolgen. Für mich heißt das zum Beispiel, dass ich bei Schriftstellern vorsichtig sein muss, die gern massentauglich und einfach nur gute Schmöker schreiben wollen. Das ist zwar ein legitimes Ziel, nur ist es nicht meins. Oder zumindest nicht nur. Ich würde gerne Fantasy schreiben, die über den Schmöker hinaus geht ohne dabei die locker-fluffige Lesbarkeit zu verlieren. Ich würde gerne etwas schaffen, dass das Potential hat, dauerhafter zu sein als ein halbes Jahr. (Wir erinnern uns: Der normale Turnus für Novitäten im Buchhandel ist alle halbe Jahre, passend zu den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt.)
Nicht zuletzt hilft so ein Vergleich auch hin und wieder über den Tellerand hinaus zu schauen und nicht ständig im eigenen Saft zu schmoren. Was machen andere anders als ich, was bringt es ihnen und kann es auch mir helfen? Wie sich erkennen lässt, sind die Fragen immer wieder dieselben, nur die Ausrichtung ändert sich geringfügig, und letztlich muss man sich auch hier bewusst sein, dass es Dinge gibt, die man nicht tun oder erreichen muss, nur weil es bei anderen so ist. Nimm dir nur, was du verstehst und brauchst, den Rest lass liegen.

 

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