Werkstatt

Plot – wtf?

Na, ihr? Seid ihr euch klar geworden, in welche Richtung das geht, was ihr schreibt? Dann können wir endlich loslegen.

Aber halt; stop!
Los, sofort euer Schreibprogramm zugemacht.

Also, es mag Leute geben, die können sofort schreiben, ohne Idee. Denen schwirrt nur ein Satz, eine Figur, ein Bild im Kopf herum, das aufgeschrieben werden muss und alles Weitere entwickelt sich dann. Schön, wunderbar; wer das kann – bitte.

Bevor wir aber zillen-gleich mit wenigen Strichen das maximale ausdrücken können, müssen wir erst einmal lernen wie wir überhaupt einen geraden Strich ohne Absetzen hin bekommen. Wir brauchen Hilfslinien. Diese Hilfslinien sind beim Schreiben in einem Wort zusammen zu fassen: Planung.

Planung – wie bitte?

Oh, ich höre schon das Seufzen. Keine Sorge. Auch Planen kann Spaß machen. Mir jedenfalls macht es viel Freude Sachen auszudenken und es hat sich als mein Weg des Schreibens heraus gestellt.
Diesen Weg möchte ich weiter geben. Mir ist klar, dass einige von euch sich erst gar nicht erheben und andere abbrechen werden, aber keiner wird zurück bleiben, der wirklich mitkommen will.

Also, weiter im Text. Planung, das heißt, ein Problem in kleinere Probleme zu zerlegen und sich eine Liste zu machen wie man diese kleinen Probleme systematisch angeht. Zur Not zerlegt man auch die kleinen Probleme in weitere Problemchen und arbeitet diese ebenfalls nacheinander ab. Zum Beispiel unsere Großaufgabe: Tee kochen. Zerlegen wir es nun in Teilschritte:

Wasser kochen
Tee aufgießen
Tee trinken .

Alle drei Schritte kann man nun weiter ausführen:

Wasser kochen
Wasser in Wasserkocher
Wasserkocher anschalten
Tee aufgießen
Teebeutel aus Schutzbeutel nehmen
Teebeutel in Teetasse packen
Kochendes Wasser aufgießen
Tee ziehen lassen
Tee trinken
Teebeutel aus der Tasse
Tee evtl. noch weiter auf Trinktemperatur abkühlen lassen
Tee trinken .

Diese Schritte kann man nun noch weiter ausführen:

Wasser kochen
Wasser in Wasserkocher
Wasserhahn auf
Wasser in Wasserkocher einfüllen
Wasserhahn zu
etc.

Diesen Plan nennt man nun auch im schriftstellerischen Bereich einen Plot.
Ja, so einfach ist das mit dem Plot: er ist ein Plan, ein roter Faden. Jemand verglich einen Plot auch einmal mit einer Wäscheleine, die sich von Pfahl zu Pfahl spannt, von Ereignis zu Ereignis, und einmal mehr oder weniger im Zickzack verläuft.

Allerdings nützt einem der schönste Plan nichts, wenn er keinen Konflikt enthält. Seien wir ehrlich: So wie oben beschrieben ist Teekochen ziemlich langweilig.
Konflikte dienen in erster Linie dazu, unseren Plot daran zu hindern auf so kurzem Weg wie möglich sein Ziel zu erreichen. Sie zwingen ihn also zum Zickzack und erschweren ihm das Leben. Das kann durch Personen, Ereignisse oder Gegenstände passieren. In unserem Tee-Beispiel könnte bspw. das Wasser, warum auch immer, abgedreht wurden sein; wir können uns das heiße Wasser über die Pfoten gießen, weil wir fahrig mit dem Wasserkocher hantierten; wir können keinen Tee im Haus haben oder uns schmeckt der Tee einfach nicht.
Wir müssen nun also zusehen, dass wir die ganzen Konflikte aus dem Weg räumen, um endlich unseren Tee genießen zu können. In aller Regel führt das zu einem: unser „Weg“ zum Teetrinken verlängert sich und dazu dann auch die Zeit, die wir dafür brauchen.

Eine Geschichte besteht also in aller Regel aus Konflikten, die, in Hinsicht auf ein Ziel, bewältigt werden müssen und wird in einem Plot zusammengefasst.

Hast du Anregungen oder Fragen? Dann schreib mir einfach einen Kommentar oder eine E-Mail.

(Demnächst geht es dann mit einem Plot-Kurs weiter, der auf meiner Arbeitsweise aufbauen wird.)

 

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3 Comments

  1. Die schönsten Beispiele kommen doch immer wieder aus dem täglichen Leben was?

    Der Beitrag gefällt mir diesmal richtig gut….
    Ich will mehr von dieser Sorte!!!

  2. 50kwords Author

    Hehe, nicht aus dem täglichen Leben, sondern aus der Info-Vorlesung. xD War damals das Beispiel, um die C-Struktur zu erklären …

  3. Besten Dank.
    Endlich verdichtet sich die Angelegenheit für mich. Das Beispiel ist nicht unschuldig. Bisher hatte ich nur sehr, sehr wage Vorstellungen vom Plot. Manchmal habe ich ihn auch Exposé genannt.
    Ich gehöre wohl zu den Schreiblingen, denen die Sachen einfach aus dem Kopf fallen. Bei Artikeln und kurzen kämpfen gegen weisse Blätter ist das auch ein sehr wirksamer Vorgang. Gerade bei diesem Kommentar hilft es mir auch wunderbar.
    Bei dem Vorhaben mal etwas längeres zu schreiben, etwas, das sich nicht in einem Guß schreiben läßt, bin ich bisher aber immer wieder auf die eine oder andere Weise gescheitert.
    Also werde ich es einmal mit einem Plot probieren, wenn es klappt melde ich mich wieder. 😉

    Gruß
    kopflast

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