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Sein oder nicht sein – Ist da nicht mehr?

Wer schon einmal das ein oder andere schreiben-bezogene Forum besuchte und durchstöberte, der war wohl bald auf Threads á la „Warum schreibt ihr?“ gestoßen – und hatte so ziemlich alles sich zusammenrotten gesehen, was im Forum kreucht(e) und fleucht(e).
Man wolle sich selbst entfalten. Man hätte da diese Idee gehabt, die unbedingt aufgeschrieben werden wollte. Man würde gerne andere Menschen unterhalten. Das sind die Standartantworten, die in solchen Threads gegeben werden. An sich nicht angreifbar und alles legitim – aber ist da nicht mehr?

Für den Anfang mag es reichen aus Spaß an der Freude zu schreiben. Früher oder später kommt man jedoch an einen Punkt, an dem es zu entscheiden gilt, ob das Schreiben tatsächlich zum Steckenpferd werden soll; wo zum ersten Mal die Spreu vom Weizen getrennt wird. Klar, wer es zu etwas bringen will – und sei es nur der eigene Ehrgeiz besser zu werden – muss es schon als ernstes Hobby betreiben.
Mit dem Steckenpferd-Charakter kommt aber auch die Frage, ob das Schreiben zudem zum Zweck werden soll. In Threads liest man als positive Antwort darauf Aussagen in der Richtung: „Ich möchte die Menschen zum Denken anregen.“, „Ich möchte ihnen (den Menschen, der Gesellschaft etc.) einen Spiegel vorhalten.“ usw. Wieder wurde eine Stufe auf der Leiter des Schreibens genommen.

Aber ist da nicht mehr?

Wenn ich davon lese, dass die Menschen zum Denken angeregt werden sollen, frage ich mich immer häufiger:
Was soll dadurch erreicht werden?
Wie will er das tun?
Warum glaubt ausgerechnet dieser Autor das tun zu müssen? (Was hat er an sich, das ihn dazu qualifiziert?)
Wer soll überhaupt angeregt werden – die Menschheit allgemein, eine bestimmte Gruppe von Menschen, ein einzelner Mensch?

Wenn ihr also zu diesen Schreibern gehört, die in ihren Texten eine sogenannte Meta-Ebene (meta: danach, hinter, jenseits) einfügen wollen, stellt euch selbst diese Fragen. Natürlich kann man immer seine Meinung äußern, um andere jedoch dazu zu bewegen ihren natur-gegebenen Denkapparat zu benutzen, muss man auf Missstände hinweisen. Seien es welche im sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich.

Die Sprache, das Schreiben, ist ein Sprachrohr – um dieses Sprachrohr nutzen zu können, muss man aber etwas zu sagen haben. Wo es aber keine Probleme gibt und man nicht einmal eine eigene Meinung hat, da kann einfach nichts gerissen werden. Habt also für die Meta-Ebene, für eine komplexe Geschichte immer eine Frage im Hinterkopf: Ist da nicht mehr?

(Es sei aber gesagt, dass nicht jeder Text eine Meta-Ebene braucht, dass nicht jeder Text ohne sie automatisch schlecht und nicht erstrebenwert ist. Hin und wieder will man einfach nur eine Geschichte erzählen, dann soll man das tun. Aber man sollte sich dem bewusst sein, dass solche Texte schnell in Vergessenheit geraten und den Leser nicht so sehr mitnehmen als gäbe es eine Meta-Ebene.)

 

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