Werkstatt

Nachdem ich im Februar aus Gründen eine Schreibpause einlegen musste, ich es aber natürlich trotzdem nicht lassen konnte, hin und wieder zu plotten oder mich mit Theorie zu beschäftigen (ja, ich habe wieder einen Ratgeber gekauft 0:) ) – sprang mir irgendwann die miese Frage durch den Kopf, warum ich eigentlich schreibe.

Annodazumal als ich das erste Mal bloggte und nicht recht wusste, was ich bloggen soll, habe ich zwar darüber geschrieben, was so ein Schriftsteller imho für eine Type sein muss oder für welches Publikum er schreibt, hatte mich der eigentlichen Frage des Warums aber elegant entzogen. Zumindest, was mich persönlich anbelangt. Allgemein schwadronieren und gewählt-spitz ausdrücken konnte ich schon immer, mich aber selbst in den Ring zu werfen, das habe ich nicht getan. Ob ich zu ängstlich war oder es nicht wusste, ich weiß es nicht mehr. Im Laufe der Jahre ist die Frage des alles überragenden „Warum schreibst du?“ in den Hintergrund getreten und ich habe das Schreiben als solches nicht mehr in Frage gestellt. Ja, ich fand das sogar besonders stark von mir, mich mit solchen Kleinigkeiten und Selbstzweifeln nicht aufzuhalten. So eine Kleinigkeit ist die Frage nämlich letztlich nicht: Erfahrung lehrte mich, dass das Hinterfragen von etwas so Integralem meiner selbst nur in einer tiefen Sinnkrise enden konnte, in der ich mich am Ende komplett in Frage stellen und nicht mehr wissen würde, wo vorn und hinten wäre.

Jetzt saß ich aber dennoch abends da, brütete über Never Gone, und diese Miesigkeiten schoben sich in mein Bewusstsein: Warum tust du dir das immer noch an? Hast du nichts Besseres zu tun? Das eigentliche Schreiben nervt dich doch. Sobald du einen Plot vollständig kennst, ödet es dich doch an. Du willst doch nur Geschichten erleben, nicht aufschreiben.
Die erste Frage ignoriere ich aus Gewohnheit, weil wie gesagt ich in keiner Sinnkrise enden will. Was mich aber selbst erschreckte, war die letzte Feststellung. Du willst doch nur Geschichten erleben.
Hm.
Ja.
Will ich das tatsächlich? Also: Nur? Anders als die Frage nach dem Warum zielt diese Feststellung zwar auch auf meine Motivation ab, streift aber noch die Dimension, dass das Schreiben eventuell nicht der richtige Weg, nicht mein Weg sein könnte. Jedenfalls habe ich das Gefühl. Vielmehr noch, ich könnte es auch so auslegen, dass das Produzieren von Geschichten nicht in meinem Interesse liegt sondern das reine Konsumieren. Nachdem ich den Rezi-Blog eingemottet habe, ist das natürlich sehr ironisch. Vielleicht hat mein Unterbewusstsein mit dem Schritt noch nicht abgeschlossen und ich boykottiere mich selbst?
So oder so, die Frage nach dem Warum habe ich wohl zu lange aufgeschoben und sie wird mich die nächsten Tage überallhin verfolgen …

T12

oder auch: Kühlschranktür auf, Giraffe rein – es könnte doch so einfach sein.

Was nach einem Kinderreim in einem Kinderbuch klingt, ist eher The Sadly True Story Of My LifeTM, eine ständige Wiederholung derselben Unleidlichkeiten, die mich vom Schreiben fernhalten. Da ich mir allerdings auch vorgenommen habe, nicht mehr so weinerlich zu sein, stellt sich die Frage, was ich in den letzten Wochen erreicht habe. Die Ziele waren hoch, die Motvation bedeutend höher – und die Ergebnisse? Ich würde nicht unbedingt sagen „unterirdisch“, aber selbst auf meiner Negativ-Skala gibt es immer noch mehr Tage, die besser verliefen.

In erster Linie ging die meiste Zeit, natürlich, für den Brotberuf drauf, dann kam der ganze Ärztekram und schließlich geht der Februar wie seit jeher noch schneller als andere Monate herum. Worttechnisch kam dabei eine fette Nullrunde um die Ecke, dafür habe ich aber wieder zu lesen begonnen und konnte bisher durchschnittlich jede Woche ein Buch beenden. Dafür, dass ich zuvor fast ein halbes Jahr nichts gelesen habe, ist das doch schon was.
Außerdem haben sich Stella&Vivi bei mir gemeldet und mich eines Tages hinterrücks mit Background-Fluff, neuen Figuren und Szenen überfallen. Daher habe ich also ein bisschen geplottet und hoffe doch mal, dass das jetzt keine Eintagsfliege war.

Ein paar andere fixe Ideen tummeln sich natürlich weterhin in meinem Kopf. Durch den Buchdrachen bin ich zu StoryHub gekommen und finde das Portal bisher sehr reizvoll. Ähnlich wie der Drachen habe ich Erfahrungen mit einigen im Artikel genannten Portalen gemacht und mich daher vor Jahren aus dem Onlineveröffentlichen zurückgezogen. Und genauso ähnlich wie er finde ich die sogenannten Playstorys auf StoryHub sehr interessant. Das Spielsystem ist an sich ja asbach-uralt und gehörte zu den ersten Computerspieltypen bevor es soetwas wie „Grafik“ auf Computern gab. Es ist erfrischend zu sehen, dass sich das Format in abgewandelter Form gehalten hat. (Der Mantikore-Verlag veröffentlicht bspw. seit Längerem Spielebücher. Metal Heroes hatte ich vor einer Weile schon einmal in der Hand und war davon recht angetan, auch wenn die Erzählstimme manchmal ein bisschen too much war, selbst für eine humoristische Geschichte.)
Long story short: Das passt alles wunderbar zu meinem Vorhaben, selbst eine Entscheidungsgeschichte zu schreiben, das ich wiederum auch seit ein paar Jahren mit mir herumtrage, es bisher aber nie angegangen bin. Vielleicht ändert sich das in nächster Zeit. Genug Stoff, der sich umwandeln ließe, habe ich ja. Ich bin nur leider etwas darin versumpft, eine passende Software zum Schreiben zu finden. Zwar ist so ein, ich sag mal, Ereignisbaum für den Verlauf der Geschichte relativ schnell geschrieben und kann mit Mindmappingtools recht simpel umgesetzt werden, trotzdem bedarf es dann dazu recht viel Zetteilei, um sich selbst nicht durcheinander zu bringen, bei welchem Strang jetzt welche Gegenstände zur Verfügung stehen oder welche Entscheidungen nicht (mehr) getroffen werden können und welche stattdessen neu hinzugekommen sind, und überhaupt wäre der ganze Baum vom eigentlich Text völlig losgelöst und der Text lösgelöst von irgendeiner Art Spielmechanik. (Ja, ich geh mal wieder fünf Schritte weiter bevor ich überhaupt angefangen habe.) Ich hätte halt einfach gern eine kostengünstige Software, mit der ich alles an einem Platz halten kann. Oder eine Idee wie sich Scrivener für Entscheidungsgeschichten nutzen ließe …

Völlig unabhängig davon sind auch noch zwei WIPs hinzugekommen: Meet Me Halfway, inspiriert vom gleichnamigen BEP-Song, und Vier Pfoten und ein Mord, das für eine Ausschreibung entstehen soll.

Insgesamt gesehen war ich also wie immer im Kopf recht umtriebig, nur der Word Count schaute in die Röhre.
Wie ist es mit euch, kennt ihr Entscheidungsgeschichten? Habt ihr selbst schon einmal eine geschrieben?

Werkstatt

Es ist weder Anfang des Monats noch dessen Ende und an einem Donnerstag sieht meine tolle Exceltabelle auch keine Beiträge vor – was mache ich hier also eigentlich? (Falls ich jemanden aus seiner Arbeit gerissen oder geweckt haben sollte: `tschuldigung.)
An meinen Zugriffen kann ich sehen, dass sich ein paar Neugierige bereits auf Beiträge verirrt haben, die ihnen zum einen vielleicht ungewöhnlich erscheinen und zum anderen in ihrer Anzahl viele sind. Das hat schon so seine Richtigkeit, keine Sorge. Ich habe nur die Beiträge meines Reziblogs quergelesen in 50kwords integriert, weil ich mich in den letzten Tagen dazu entschlossen habe, den Reziblog einzustellen. Das ist keine leichtfertige Entscheidung gewesen, fußt jedoch auf einer Vielzahl von Überlegungen und auch einer guten Portion Unmut. Unmut, für den ich niemanden verantwortlich machen will, gleich vorweg gesagt. Es ist nur seit mehr als einem Jahr so, dass ich mit allem, was Social Media bzw. meinen Internetkonsum betrifft, nicht so recht zufrieden bin und diese Unzufriedenheit nahm in letzter Zeit überhand. Social Media waren für mich nur noch unproduktiv und belastend, jeder Scroll durch Twitter oder Instagram machte mich geistig müde, ärgerte mich, weil ich merkte wie ich meine Zeit verplemperte, die ich stattdessen zum Schreiben oder Schlafen hätte nutzen können.
Was den Reziblog angeht, hatte ich seit Längerem keine wirkliche Freude mehr daran, sodass ich nach einigem Überlegen mich letztlich zur Schließung entschloss. Er macht mir momentan mehr Arbeit als ich Kraft und Zeit dafür habe, und weil er noch aus einer Zeit stammt als ich mich vornehmlich als Buchhändler gesehen habe und weil ich dachte, dass Buchhändler nun einmal Buchblogs haben. Sie lesen viel, sie beraten täglich, die Rezensionen, die dadurch entstehen wären also eher leichtes Spiel. Nur dass ich dann nicht zu jedem Buch den Drang hatte, etwas zu sagen, dass mir das ständige Bewerten und Tracken von Dingen und Tätigkeiten schon damals begann zu viel zu werden und dass der Blog letztlich null Reichweite hatte und ich sozusagen in die Leere bloggte – geschenkt, für eine lange Zeit jedenfalls. Zusammen mit allem anderen kam das allerdings die Tage wieder hoch, und ich entschied mich eben zu diesem radikalen Einschnitt. Nicht nur quergelesen muss sich von seiner Eigenständigkeit verabschieden, auch die Beiträge meiner Twitter- und Instagram-Accounts sind im Datennirvana verschwunden und die Accounts werden demnächst ein Schattendasein fristen. So ganz konnte ich mich von ihnen noch nicht verabschieden, vielleicht kommt das noch, vielleicht auch nicht.

Jedenfalls, wie auch immer – die Rezensionen/ Beiträge von quergelesen sind ersteinmal hierüber gewandert bis ich mir darüber einig werde, was ich weiterhin mit ihnen mache. Sollte das bei jemandem eine Flut von Benachrichtigungen ausgelöst haben: Nochmals Entschuldigung. Kommt nicht so schnell wieder vor.